26.11.2015 14:53

Den Willen des Patienten umsetzen: Ethikberatung als wichtiger Baustein im Krankenhaus


Qualifizierte Ethikberatung im Krankenhaus ist mehr als nur ein Qualitätsmerkmal. Für schwer erkrankte oder auch hochbetagte Patienten, ihre Angehörigen und die behandelnden Ärzte stellt sich regelmäßig die Frage, in welchem Umfang eine sinnvolle, ethisch vertretbare Therapie durchgeführt werden sollte. In vielen Fällen ist der Wille des Patienten über Umfang und Dauer von lebenserhaltenden Maßnahmen nicht oder nur schwer in Erfahrung zu bringen, zum Beispiel beim Verlust der Kommunikationsfähigkeit oder bei einer fehlenden bzw. unzureichenden Patientenverfügung. Im St. Josefs-Hospital Cloppenburg steht seit diesem Monat eine geschulte Ethikberatung zur Verfügung, die Patienten, aber auch Mitarbeiter, bei schwierigen Behandlungsentscheidungen unterstützt.

Das Team der Ethikberatung besteht aus zehn Ethikmoderatoren, die sich mehr als eineinhalb Jahre unter professioneller Anleitung auf die verantwortungsvolle Aufgabe vorbereitet haben. Die Moderatoren kommen aus verschiedenen Tätigkeitsfeldern; von der Intensivpflege über den ärztlichen Dienst und die Pflegeausbildung bis zum psychologischen Dienst reicht das berufliche Spektrum der im Ethikteam engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Gruppe trifft sich regelmäßig alle sechs Wochen für Fallbesprechungen und Fachvorträge. Auch der Austausch mit den Ethikteams anderer Krankenhäuser gehört zum festen Programm.

Eine Ethikberatung kann zum Einsatz kommen, wenn ein Patient nicht mehr geheilt werden kann und es eine gute Lebensqualität zu erzielen gilt - zum Beispiel bei Krebspatienten, hochbetagten, schwer erkrankten Menschen oder Komapatienten. Die Ethikberatung gibt in diesen Fällen die nötige Orientierung bei den zu treffenden Entscheidungen, wie beispielsweise bei lebensverlängernden Maßnahmen wie der Beatmung und Ernährung eines Patienten. Ursula Willenborg, Krankenhausseelsorgerin des St. Josefs-Hospitals, beschreibt als Initiatorin und Mitglied im Ethikteam den Wert des Angebots: "Medizinisch-technisch machbar heißt nicht immer medizinisch-ethisch vertretbar. Die Ethikberatung ist eine weitere Möglichkeit, den Menschen hinter dem Patienten nicht aus dem Blick zu verlieren."

Der Beratungsprozess selbst folgt klaren Vorgaben. Das Ethikteam wird aktiv vom Patienten oder seinen Angehörigen, aber auch von Mitarbeitern des Krankenhauses kontaktiert. Zunächst wird festgestellt, wer an dem gewünschten Gespräch teilnehmen soll. Bei der Zusammenkunft werden medizinisch-pflegerische Daten über den betroffenen Patienten gesammelt. Mitentscheidend sind auch Details zum sozialen und familiären Umfeld des Patienten, sowie spirituelle Bedürfnisse. Kann sich ein Patient nicht selbst äußern, ergründen die Ethikmoderatoren gemeinsam mit den Angehörigen seinen mutmaßlichen Willen auf der Basis von früher geäußerten Wertvorstellungen und Haltungen. Im Zentrum des Beratungsprozesses stehen nicht das medizinisch Machbare, sondern die individuelle Behandlung, die Lebenspläne und die Wertvorstellungen des Patienten. Den Abschluss des Beratungsprozesses bildet eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen. Die letztendliche Entscheidungsverantwortung bleibt in den Händen der behandelnden Ärzte.


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