11.11.2021 08:00

Digitale Gesundheitsregion von Damme bis Friesoythe - Gesamtkonzept von Krankenhäusern im Oldenburger Münsterland

Kardiologische Fernüberwachung, Telehebammen, Kinderheilkunde: Sieben Millionen Euro wurden beantragt


Die Planung für eine virtuelle Gesundheitsregion stellten (von links) vor: Katharina Rindfleisch (Klinikmanagerin St. Marienhospital Vechta), Andreas Krone (Geschäftsführer St. Josef-Hospital Cloppenburg), Bernd Wessels (Geschäftsführer St. Marienhospital Friesoythe), Yvonne Borgerding (Leitung Qualitätsmanagement Schwester-Euthymia-Stiftung), Aloys Muhle (Geschäftsführer St. Marienhospital Vechta), Dr. Martin Pohlmann (Geschäftsführer Krankenhaus St. Elisabeth Damme), Carsten Wessel-Ellermann (Leitung IT Krankenhaus St. Elisabeth Damme), Ulrich Pelster (Vorstandsvorsitzender Schwester-Euthymia-Stiftung), Thomas Meyer (Geschäftsführer St. Franziskus-Hospital Lohne) und Dr. Carsten Giehoff (Leitung IT Schwester-Euthymia-Stiftung).

Die Krankenhäuser des Oldenburger Münsterlandes in Cloppenburg, Damme, Friesoythe, Lohne und Vechta planen für die Digitalisierung des Gesundheitswesens ein facettenreiches Modellprojekt: eine virtuelle Gesundheitsregion. Modernste kardiologische Digitaltechnik, Telehebammen und eine Linderung der pädiatrischen Unterversorgung im Landkreis Cloppenburg sind nur einige Stichpunkte.

Das Land Niedersachen hat aufgerufen, sich auf die Mittel des Förderbudgets über das Krankenhauszukunftsgesetzt (KHZG) mit einem Leuchtturmprojekt zu bewerben. Einen förderwürdigen Antrag für ein zukunftsweisendes Vorhaben haben die Krankenhäuser St. Marienhospital Vechta, St. Josef-Hospital Cloppenburg, St. Franziskus-Hospital Lohne, St. Marienhospital Friesoythe und St. Elisabeth Damme jetzt beim Land Niedersachsen eingereicht. Konkret geht es in diesem landesweit ersten Projekt dieser Art in einer ganzen Region darum, Patienten im Oldenburger Münsterland noch schneller und kompetenter zu helfen.

„Wir möchten für den Patienten digitale Angebote schaffen, die eine optimale Versorgung ermöglichen“, so Ulrich Pelster, Vorstandsvorsitzender der Schwester-Euthymia-Stiftung (SES): „Auch durch Telemedizin werden Versorgungslücken gelindert oder gar geschlossen.“

Vorgesehen ist unter anderem eine telemedizinische kardiologische Fernüberwachung. Denn die Untersuchung in der Facharztpraxis oder auch im Krankenhaus ist häufig nur eine Momentaufnahme. Das Tragen von telemedizinischen Geräten – ähnlich einer Digitalarmbanduhr -  macht eine kontinuierliche Erfassung und Erkennung von Anomalitäten und Risiken möglich. Diese Daten werden durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz ausgewertet und von einem Facharzt beurteilt. Wenn erforderlich, wird ein persönlicher Arztbesuch koordiniert, um die weitere Abklärung von Risiken vorzunehmen.

Damit wird Prävention betrieben, dramatischere Entwicklungen können vermieden werden. Insbesondere Patienten mit einem Vorhofflimmern oder Rhythmusstörungen würden hiervon profitieren. In den Landkreisen Vechta und Cloppenburg leben insgesamt rund 45.000 Personen im Alter von 50 - 60 Jahre. Im Durchschnitt sind fünf bis zehn Prozent dieser Altersgruppe von Vorhofflimmern betroffen. Somit weist die Region rund 4500 potenzielle Patienten auf, die von dem Angebot profitieren können.

Ein weiteres Beispiel ist ein Telehebammenservice (Beratung und Schulung): Die Sicherstellung der Versorgung in den Geburtseinrichtungen der Schwester-Euthymia-Stiftung kann durch einen Telehebammendienst weiter verbessert werden und sie wirkt dem Fachkräftemangel entgegen. So gibt es Teile der Beratung und Schulung bei der Begleitung in der Schwangerschaft, die online stattfinden können. Dieses ergänzende Schulungs- und Beratungsangebot muss auch in die derzeitige Versorgungsstruktur eingebettet werden. Das Vorhaben soll durch die Schwester-Euthymia-Stiftung gemeinsam mit den Beteiligten der Geburtshilfe in der Region umgesetzt und etabliert werden. 

Geschlossen werden kann künftig auch eine Versorgungslücke im ambulanten Bereich der Kinderheilkunde in Cloppenburg durch sinnvolle telemedizinische Ergänzungen der Vor-Ort-Behandlung. Auch soll gemeinsam mit den Hilfsdiensten und Leitstellen des Rettungsdienstes eine Lösung entwickelt werden, um im Notfall noch schneller eine fachärztliche Beurteilung der Patientensituation zu erzielen. Dazu dient dann die digitale Übertragung von Vitalparametern oder eine Telekonsultation. So kann zeitnah im Rettungswagen entschieden werden, in welchem Krankenhaus der Patient die für ihn beste Behandlung erfahren kann.

Im Ergebnis entsteht eine virtuelle Gesundheitsregion: Die Einrichtungen im stationären und ambulanten Bereich, Rettungsdienste sowie Patienten sind dann miteinander vernetzt. Das Projekt hilft auch bei der digitalen Vernetzung zur Fallbesprechung. Notwendig hierfür sind nicht nur ein Videotool oder ein Messengerdienst, sondern eine Plattform, die neben diesen Funktionalitäten einen sicheren, datenschutzkonformen Zugriff auf notwendige Untersuchungsdaten ermöglicht. Eine solche Lösung ist eine sinnvolle Ergänzung zum Behandlungsverlauf und kann sich positiv auf diesen auswirken.

„Unser Ziel ist die Abbildung von unterschiedlichen Anwendungen auf einer gemeinsamen Telemedizinplattform, von der alle Beteiligten profitieren“, sagt Dr. Carsten Giehoff, Leiter IT der Schwester-Euthymia-Stiftung.

Die Antragstellung erfolgte als ein Gemeinschaftsprojekt der Krankenhäuser der Schwester-Euthymia-Stiftung und des Krankenhauses Friesoythe. „Das Land wird eine Auswahlentscheidung treffen müssen“, erläutert Ulrich Pelster: „Wir sind optimistisch, es ist uns gelungen, alle Leistungserbringer der Region zusammenzubringen und gleichzeitig Konzepte zu entwickeln, die das Oldenburger Münsterland in eine Vorreiterrolle bei der Digitalisierung bringen werden.“


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